6 Schritte zum perfekten Eheversprechen

Traurednerin Eveline Bürgi

Bei freien Trauungen ist das selbst geschriebene Eheversprechen zurzeit hoch im Kurs. Kein Wunder, denn meist sind die persönlichen Worte von Braut und Bräutigam das Highlight der Hochzeit und nicht selten fliessen die Glückstränen. Was aber ist ein Ehegelübde und wie finde ich die richtigen Worte?

«Nimmst du, Andreas Müller, deine Braut Barbara zu deiner Frau und versprichst du, ihr die Treue zu halten in guten wie in schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, und sie zu lieben, zu achten und zu ehren, bis der Tod euch scheidet? Dann antworte jetzt mit Ja.» So sieht ein klassisches Eheversprechen aus. Es wird vom Trauredner vorgelesen und Braut und Bräutigam beantworten es mit «Ja, ich will!»

Die Liebeserklärung

Vor allem bei freien Zeremonien besteht aber meistens der Wunsch nach einem persönlichen Liebesgeständnis. Es geht dabei nicht «nur» darum, sich ein Versprechen abzugeben. Es ist eine Würdigung für den Partner, ein Versuch zu beschreiben, weshalb man in ihm oder ihr den Menschen fürs Leben gefunden hat. Es ist auch eine Möglichkeit, um in wunderbaren Erinnerungen zu schwelgen und in die Zukunft zu blicken. Es ist euer ganz persönlicher Moment und ihr dürft euer Ehegelübde genauso gestalten, wie es für euch passt! Sagt eurem Partner, was euch wirklich wichtig ist, was ihr an ihm oder ihr schätzt und wieso ihr mit ihm oder ihr den Rest eures Lebens verbringen möchtet.

«Wer zu einem Versprechen am längsten braucht, hält am sichersten daran fest»

Das klingt alles schön und gut, aber wie schreibt man denn jetzt ein solches Eheversprechen? Schon mal vorab: ein gutes Liebesgeständnis braucht Zeit. Fang früh genug damit an, damit es nicht plötzlich stressig wird.

6 Schritte zum Eheversprechen

  1. Brainstorming

Nimm ein weisses Blatt Papier und schreibt darauf alles, was dir spontan zu deinem Partner oder deiner Partnerin einfällt. Charaktereigenschaften, Erlebnisse, Macken, Gerüche, Farben, Orte… Lass deiner Kreativität freien Lauf.

  1. Fragen über Fragen

Beantworte folgende Fragen:

    • Welche Eigenschaft macht deine Partnerin/deinen Partner besonders?
    • Weshalb fühlst du dich bei deiner Partnerin/deinem Partner geborgen?
    • Wofür bist du deiner Partnerin/deinem Partner besonders dankbar?
    • Welchen gemeinsamen Moment, wirst du nie mehr vergessen?
    • Wo gleicht ihr euch, in welchen Punkten seid ihr verschieden?
    • Wann hast du gewusst, dass sie/er die Frau/der Mann fürs Leben ist?
    • Was bedeutet für dich Liebe und Ehe?
    • Was wünschst du dir und deiner Partnerin/deinem Partner für die gemeinsame Zukunft?
  1. Was ist das Wichtigste?

Du hast jetzt bereits ganz viele Inputs für dein Eheversprechen. Am besten legst du die Blätter nun für ein bis zwei Tage auf die Seite. Nimm sie dann wieder hervor und überlegt dir, welche 3-4 Dinge du deinem Partner/deiner Partnerin unbedingt sagen möchtest. Studiere nicht allzu lange daran herum. Hör auf dein Herz und entscheide spontan.

  1. Die Schreibarbeit

Nun geht es ans Verfassen des Eheversprechens. Beachte dabei, dass du dich selbst bleibst. Schreib so, wie du auch sprechen würdest, denn das Liebesgeständnis wird ja mündlich vorgetragen. Du brauchst keine rhetorisch hochstehenden Formulierungen, um zu überzeugen 😉 Die Braut/der Bräutigam und die Gäste sind froh, wenn sie das Eheversprechen auch verstehen. Halte dich kurz, mach einfache Sätze und bleib authentisch. Sprich deine Partnerin/deinen Partner direkt an. Also zum Beispiel so:

Liebe Melanie. Ich bin unendlich dankbar, dass ich dich heute zu meiner Frau nehmen darf. Was wir die letzten fünf Jahre miteinander erlebt haben…

  1. Vor der Zeremonie

Dein Eheversprechen steht, nun gehts ans Üben. Lese den Text zweimal durch und leg ihn dann zur Seite. Versuche nun das Liebesgeständnis auswendig vorzutragen. Es spielt keine Rolle, ob du etwas vergisst oder ob die Reihenfolge nicht stimmt. Sprich frei und stell dir vor, dein Partner steht dir gegenüber. Du kannst diese Übung mehrmals wiederholen.

Danach nimmst du den Text wieder zu Hand und schreibst dir Karten mit Stichworten. Diese kannst du dann auch gleich zu Zeremonie mitnehmen. Versuche nun dein Eheversprechen mit diesen Karten vorzutragen. Auch hier ist es egal, wenn irgendetwas anders ist als im ursprünglichen Text. Viel wichtiger ist es, dass du weisst, was du sagst und es auch so meinst.

Übe so viel, dass du dich mit deinem Text wohlfühlst, aber übe nicht zu viel. Spontanität macht eine Rede lebendig. Hab keine Angst vor Fehlern oder Versprechern, jeder macht sie.

  1. An der Zeremonie

Schau deiner Partnerin/deinem Partner in die Augen und trage dein Versprechen vor. Du hast dir Zeit genommen und dir viele Gedanken gemacht. Vertrau darauf, es wird wundervoll werden!

Falls du es dir übrigens nicht vorstellen kannst, vor allen Gästen zu sprechen, ist das kein Problem. Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Traurednerin oder der Trauredner eure Eheversprechen vorliest.